April 23, 2026

Lecture Performance

Freitag, 8. Mai 2026
Einlass: 18 Uhr
Lecture Performance: 19 Uhr

Confidence, high confidence, very high confidence

Etwas als etwas anderes sehen.
Tine Melzer fragt, wie Wörter und Bilder sich gegenseitig beeinflussen.

Der Drang zu verstehen ist tief im menschlichen Kognitionsapparat verankert. Das ist einerseits eine Überlebensstrategie, es bedeutet Reduktion von Unsicherheit und Schaffung von Transparenz. Andererseits gibt es eine Tradition, die von Aristoteles über die Aufklärung bis zur protestantischen Arbeitsethik reicht, die Transparenz, Begründbarkeit, das Sichtbarmachen von Absicht privilegiert.

Kunst muss erklärbar sein, Praxis muss legitimiert werden. Es gibt jedoch auch Traditionen, die Formen künstlerischen Handelns kennen, die Opazität, Schweigen oder Nicht-Verstehen als gleichwertige oder überlegene Modi behandeln.

Tine Melzers Aspektsehen ist im Grunde ein Versuch, genau das zurückzugewinnen: den Moment, in dem etwas kippt, in dem die eingeübte Lesart versagt und das Ding kurz wieder fremd wird. Sozusagen der Übungsraum für das Aushalten von Fremdheit, Ambiguität, Nicht-Verstehen und Opazität.

Etwas als etwas anderes hören.
Simeon Sigg begleitet Tine Melzer mit einer Klangintervention.


Tine Melzer verbindet in ihrer Arbeit Sprachphilosophie mit bildender Kunst und Literatur. Sie hat in Amsterdam Kunst und Philosophie studiert, und in England über Ludwig Wittgenstein und Gertrude Stein promoviert. Sie ist Professorin an der Hochschule der Künste Bern (HKB). Tine Melzer forscht zum Aspektsehen in Bild, Text und Poetik und publizierte die transdisziplinären Bücher Taxidermy for Language-Animals (2016), Atlas of Aspect Change« (2022) und Zwischen Disziplinen (2024, mit René Rüegg). Ihr 2023 bei Jung und Jung erschienener Debütroman Alpha Bravo Charlie wurde mehrfach ausgezeichnet, und war für den Rauriser Literaturpreis nominiert. Der zweite Roman Do Re Mi Fa So wurde 2024 von der Stadt Zürich ausgezeichnet.


Der Abend ist Teil einer Veranstaltungsreihe, die von Vinzenz Meyner und Simeon Sigg initiiert wurde und in einem selbstorganisierten Rahmen stattfindet. Die Reihe umfasst Gespräche, experi­mentelle Musik, Klangkunst sowie audiovisuelle Performancepraktiken.

Freier Eintritt, mit anschliessendem Apéro 

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